Datum/Zeit
08.04.2017
20:30 Uhr

Veranstaltungsort
St. Pantaleon


Als Kreuzweg (Weg des Kreuzes) bezeichnet man ursprünglich die Nachahmung der Via Dolorosa (lat. „schmerzensreiche Straße“) in Jerusalem als Stationsweg vor Wallfahrtskirchen. Aus dem Heiligen Land zurückgekehrte Pilger legten Nachbildungen der heiligen Orte in ihrer Heimat an. Seit der Zeit um 1600 wurden Kreuzwege mit 14 bebilderten Stationen errichtet. Sie zeigten den Weg Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung und Grablegung. Als Bestandteil der Ausstattung von Kirchenräumen entstand der vierzehnteilige Kreuzwegzyklus gegen Ende des 17. Jahrhunderts. An den Wänden wurden 14 Stationen mit Holzkreuzen markiert, unter denen sich meist eine bildliche oder plastische Darstellung der jeweiligen Kreuzwegstation befand. Besonders im 19. Jahrhundert war der vierzehnteilige Kreuzwegzyklus innerhalb von Kirchenräumen sehr verbreitet.

„Via crucis“ (1878), eine Betrachtung über die 14 Kreuzwegstationen für Soli, Chor und Orgel, stammt aus Liszts römischer Epoche. Liszt schreibt in einer für sein Alterswerk typischen Weise eine musikalische Kreuzweg-Meditation; ein ebenso merkwürdiges wie anrührendes, in seiner asketischen Radikalität unglaublich modernes Werk. Mit einer fast die Grenzen der Tonalität sprengenden Harmonik und expressiven wie asketischen Affekten vereinigt es unterschiedliche Formen und musikalische Stilmittel wie gregorianischer Hymnus, Kirchenlied, Choralvariation in spätromantischer Harmonik expressiv gesteigert, unbegleitetes Solo-Rezitativ, Chor-Unisono und Frauenchor-Passagen mit dem Stabat Mater der Liturgie. Die vielseitigen Stilmittel der Komposition zeigen die Bilder des Leidens, der Klage, der Suche: die Musiksprache gelangt an den Rand des Verstummens; sie versinkt in einem tönenden, mystischen Schweigen.

Leitung: Richard Mailänder, Orgel: Martina Mailänder

 

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